#12/ 2017 Matteo Corradini – Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge

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Autor: Matteo Corradini
Übersetzung:  Ingrid Ickler
Genre: Jugendbuch, Geschichte + Politik
Preis: € 7,99 [D]
Einband: ebook
erschienen: 10.April 2017
Seitenanzahl: 289
Meine Wertung: 4,0 Huftiere 
Reihe: nein
Verlag: cbj Leseprobe: klick


Nach einer wahren Geschichte…

Theresienstadt 1942: Die Nazis haben ein Lager für Juden errichtet, das zeitweise als Vorzeigelager dient. Doch es ist nur eine Station auf dem Weg in die Vernichtungslager. Inmitten dieser Hoffnungslosigkeit gründen Kinder eine Zeitschrift, um gegen das Grauen anzuschreiben. Sie treffen sich heimlich und verfassen Berichte über das Lager. Aber sie zeichnen auch Bilder, führen Interviews oder schreiben Gedichte.

Matteo Corradini bringt dem Leser auf berührende Weise das Schicksal dieser Kinder nahe.

Wie bewertet man ein Buch, welches auf dem Leben von einem oder mehreren Menschen basiert? Was bewertet man? Das geschriebene Wort oder eher doch das Leben dieser Person? Kann man überhaupt objektiv bleiben bei Lebensgeschichten?  Ich tue mich sehr schwer mit dieser Rezension, aber ich möchte versuchen meine Meinung zu Papier (bzw Bildschirm) zu bringen.
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Matteo Corradini hat es schon in seinem Vorwort geschafft, mich zu Tränen zu Rühren. Natürlich kennt jeder Deutsche die Geschichte und die Vergangenheit die unserer Nation anhängt, aber es wieder direkt vor Augen geführt zu bekommen ist noch einmal etwas anderes. Zu wissen, dass das was nun folgt auf wahren Begebenheiten beruht hinterlässt einen dicken Kloß im Hals, weil man ja WEISS was kommt.
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Trotzdem wollte ich das Buch lesen, ich kann mich vor der Vergangenheit nicht verschliessen (das sollte niemand) und ich finde es gut, dass die Geschichte erzählt wurde, dass die 8 Jungen eine Stimme bekommen haben und nicht einfach in Vergessenheit geraten.
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Es ist kein Roman im eigentlichen Sinne, auch wenn es so gedacht ist. Wir sehen immer ein Datum und dann lesen wir im Romanstil was 8 Jugendliche – genannt die Redaktion – in ihrer geheimen Zeitung „Vedem“ über das Leben in Theresienstadt berichten, über die Nazis, über die schrecklichen Zustände, über die sinnlosen Morde und die Foltern.
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Die Daten sind zwar fortlaufend über einen Zeitraum von 2 Jahren aber trotzdem greifen die einzelnen Kapitel nicht direkt in einander über, es ist eher so, dass wir immer Einblick in einen bestimmten Tag bekommen.
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Die Geschichte hat mich sehr getroffen und mitgenommen. Das Ende (wir alle wissen dass so ein Buch kein happy End hat – ich glaube damit spoilere ich nun nicht wenn ich das schreibe!) hat mich trotzdem mit voller Härte erwischt und weinend zurückgelassen. Ich fühle mich nun leer, ausgesaugt und total am Ende. Trotzdem fand ich die Geschichte toll, wenn man das denn so sagen darf. Matteo Corradini hat es geschafft eine sehr realistische Atmosphäre zu schaffen, den Leser zu entführen und ein Teil dieser Jungs zu sein.
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Ich hätte zu gern ein Bild einer Zeitungsseite gesehen um mir einen Eindruck zu machen mit was für einem Ausgangsmaterial er arbeiten musste.
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Einen Kritikpunkt habe ich aber, deshalb gibt es auch keine 5 Huftiere von mir, sehr oft waren Traumszenen zu lesen, diese wurden nicht weiter kenntlich gemacht (das ist sicher Absicht vom Autor um zu verdeutlichen, dass es für die Jungs auch einen fliessenden Übergang von Traum und Realität gab, dass sie selbst nicht mehr wussten was nun real ist und was nicht) aber ich musste oft wieder zurückblättern, weil diese Abschnitte fast nahtlos in einander übergehen und man manchmal oft den Faden verliert dadurch.
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Ansonsten sehr gelungen! Sehr real und sehr bedrückend. Ich kann es nur empfehlen, ein Buch was sehr sehr lange nachwirken wird.
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#11/ 2017 [Rezi] Ann-Kathrin Karschnick, Felix Münter – Trümmerwelten #1

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Autor: Ann-Kathrin Karschnick, Felix Münter
Übersetzung: keine
Genre: (High) Fantasy
Preis: € 2,99 [D]
Einband: ebook
erschienen: 20.April 2017
Seitenanzahl: 336
Meine Wertung: 4,0 Huftiere 
Reihe: voraussichtlich ja Teil 1
Verlag: Papierverzierer 


Noemi lässt Probleme verschwinden. Charlie ist Geheimnisträger. Beide verfolgen dasselbe Ziel, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen und ohne voneinander zu wissen, denn sie beide wollen die verschollene Insel Anker im Wolkenmeer finden. Eine sagenumwobene Insel der Weisen, auf der alle Geheimnisse der früheren Herrscher zu finden sein sollen. Ihr einziger Hinweis lautet: Alice Sparrow. Wer ist diese Frau und was hat sie mit der verschollenen Insel zu tun?

Ein neues, noch nie dagewesenes High Fantasy Epos mit den wohl fantastischsten Wendungen des Genres.

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Da ich mir vorgenommen hatte mehr Fantasy zu lesen, fiel mir sofort dieses tolle Cover bei skoobe auf. Worauf genau ich mich einlasse, ging aus der ultra kurzen Kurzbeschreibung nicht hervor aber ich ließ es drauf ankommen und habe es nicht bereut!
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Charlie ist Geheimnisträger, von stattlicher Größe und Figur und ein eher ruhiger Zeitgenosse, begleitet wird er von Gurney. Einem Haudegen der keiner Prügelei und Auseinandersetzung aus dem Wege geht. Und auf der anderen Seite ist Noemi, mutig und taff, die keine Angst hat zu morden um ihre Ziele zu erreichen. Auch sie hat einen Begleiter Trent, der eher durch seine verschrobene Art auffällt, aber treu an ihrer Seite kämpft.
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Wir begleiten nun abwechselnd die beiden total unterschiedlichen Protagonisten. Beide sind auf der Suche nach dem sogenannten „Anker“ einer verschollenen Luftinsel der Weisen, die ungeahnte Mächte verleihen soll. Noemi lebt den Glauben der Weisen, meditiert täglich und lebt auch sonst nach ihren Ritualen. Sie ist, seit sie denken kann im Besitz eines Medaillons, auf welchem ein riesiger Dreimaster abgebildet ist. Durch Zufall erfährt sie, dass dieses Medaillon wohl von den Weisen abstammt und ihr bei ihrer Suche nach dem Anker eine große Hilfe sein wird.
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Zeitgleich entwickelt sich die Geschichte zwischen Charlie und Gurney auch weiter, Charlie wird aus dem Orden der Geheimnisträger geworfen weil er mit Gurney in das Zimmer eines Mitglieds dieses Ordens eingebrochen ist um Informationen über den Anker zu bekommen. Eben jenes Ordensmitglied zeigt sich trotz des Einbruchs sehr kooperativ und gibt Charlie ein Medaillon mit einem großen Dreimaster drauf der ihm den Weg zum Anker weisen soll…..
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Der geneigte Rezi-Leser wird nun die Parallelen erkennen können 😉
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Ich bin schwer reingekommen, was am für mich neuen Genre High-Fantasy lag, aber nachdem der Anfang geschafft war, habe ich eine tolle spannende Story vorgefunden! Der abwechselnde Schreibstil hielt sich bis zum Ende. Fast so (wir haben es ja hier mit einem Autoren – Duo zu tun) als hätten die beiden sich immer abgewechselt mit dem schreiben. Hat auf jeden Fall super gepasst und richtig Spaß gemacht! Die Charaktere waren gut durchdacht und haben sich innerhalb der Story weiterentwickelt und sind trotzdem ihrer eigenen Linie treu geblieben.
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Die Welt, die die beiden Autoren geschaffen haben war phantastisch. Die Kampfszenen sehr detailgetreu beschrieben ohne zu langweilen. Einen einzigen Kritikpunkt habe ich aber, in dem Teil mit Charlie kam mindestens 1mal auf jeder Seite als Erklärung für Gurney „alter Haudegen“ – der Haudegen dies, der Haudegen das … das war WIRKLICH nervig. Ich hätte mir gewünscht, dass dort öfter mal einfach nur „er“ gestanden hätte, ich weiß zu schätzen, dass man abwechseln wollte, aber das war zuviel des Guten.

Trotzdem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen, vorallem für den Einstieg in das High-Fantasy Genre, wunderschön geschrieben, eine fantastische Welt, die aber nicht so irrational ist, dass man Probleme hat sich zu orientieren! Ich habe auf anderen Seiten gesehen, dass wohl weitere Teile dazu geplant sind, das wäre schön und würde mich freuen, das ende lässt eine Fortsetzung durchaus zu.

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#6/ 2017 – [Rezi] Lisa Heathfield – Hier musst du glücklich sein

Autor:Lisa Heathfield
Übersetzung:Birgit Schmitz
Genre: Contemporary, Jugendbuch
Preis: € 16,99 [D]
Einband: Hardcover
erschienen: 22. Dezember 2016
Seitenanzahl: 320
Meine Wertung: 4,0 Huftiere
Reihe: nein
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
Verlag: Carlsen

Eine kleine Gemeinschaft, abgeschottet von der Welt. Hier ist Pearl aufgewachsen und hier fühlt sie sich sicher, denn ihr Oberhaupt Papa S. beschützt sie alle vor der vergifteten Welt da draußen. Doch als sich der gleichaltrige Ellis und seine Familie ihrer Gemeinschaft anschließen, wird Pearls Weltbild auf die Probe gestellt: Ellis wächst Pearl täglich mehr ans Herz – und er scheint nicht an die Lehren von Papa S. zu glauben! Langsam wird auch Pearl klar, dass sie fliehen müssen, um sich zu retten …

 

 

Selten hat mich ein Buch so wütend gemacht, so sprachlos und auch so neugierig.

Die 15 jährige Pearl lebt in einer Art autarken Kommune. Sie wurde dort geboren und kennt nur das Leben in der kleinen Gemeinschaft. Anführer der Gruppe ist Papa S., er sagt ihnen wo es langgeht und dient gleichermaßen als Sprachrohr für „Mutter Natur“.

Die Geschichte beginnt damit, dass Pearl panische Angst hat und glaubt, dass sie sterben muss weil sie „aus dem Bauch blutet“ – so unvorstellbar es ist, aber die 15 jährige wurde überhaupt nicht aufgeklärt und deshalb ist sie mit ihrer eintretenden Monatsblutung völlig überfordert. Das Ritual der Gruppe besagt, dass die Mädchen in der Nacht ihrer ersten Blutung in eine dunkle Höhle eingesperrt werden müssen um richtig zur Frau zu werden. Niemand stellt dieses zweifelhafte Vorgehen in Frage, alle Bewohner beten Papa S. und seine Vorschriften an und folgen ihm blind und voller Vertrauen.

Es gab unglaublich viele Momente wo ich wirklich sprachlos war und fassungslos, wie naiv jemand sein kann, aber Pearl konnte ja nichtmal etwas dafür sie hat nie etwas anderes als „Saat“ kennengelernt.

Ihr Vertrauen und ihre Sicherheit geraten jäh ins Wanken, als Papa S. eine Ausnahme macht und Linda mit ihren beiden Kindern Sophie und Ellis in die Kommune aufnimmt, die bis dahin keinen Kontakt zu den „Draußenmenschen“ hatte.

Während die kleine Sophie und ihre Mutter sehr schnell mit den Gepflogenheiten von Saat klarkommen, tut sich der 15 jährige Ellis sehr schwer die neuen Regeln zu akzeptieren und anzuerkennen. Er ist sehr skeptisch und nimmt nicht alles klanglos hin was Papa S. ihm erzählen möchte. Er schafft es erste Zweifel in Pearls Überzeugung zu sähen und langsam beginnt Pearl zu verstehen, dass hinter den Mauern von Saat eigentlich nix so ist wie Papa S. immer gesagt hat, im Gegenteil – nicht draussen lauert das Böse sondern direkt IN Saat und sie sieht nur noch einen Ausweg, sie muss da raus!

Ich mochte die Entwicklung die Pearl im Laufe der Geschichte durchlebt hat und nehme der Autorin die Story ab. Nichts war so abstrus es war wirklich überzogen, ich bin fest davon überzeugt, dass es solche Kommunen wirklich gibt.

Trotzdem war es teilweise echt schmerzhaft zu lesen was die armen Menschen dort durchmachen mussten und vor allem dass es für sie völlig normal war. Am Anfang wollte ich Pearl nur schütteln und sie anbrüllen, dass sie doch endlich mal aufwachen soll, am Ende hätte ich sie gerne einfach nur in den Arm genommen.

 

 

eigentlich verdient die Story 4,5 Hufies aber ich zersäge ja nicht, also bleibt es bei 4en. Ich habe wirklich selten mit einer Protagonisten so mitgelitten wie mit ihr bzw ihrer ganzen Gruppe. Eine Geschichte die einen dankbar zurücklässt, dass man in einer zivilisierten Welt aufwachsen durfte und die sprachlos macht. Die gleichzeitig auch unsagbar neugierig macht, weil man einfach wissen MUSS wie es weitergeht!

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